Grundsätze

für Ärztliche Beratungsstellen gegen Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern und Jugendlichen

Oberster Grundsatz der ethischen Leitlinien Ärztlicher Beratungsstellen ist die Unantastbarkeit der Würde des Menschen, des erwachsenen wie des kindlichen Menschen, die Verbindlichkeit menschlicher Grundrechte für Kinder und Erwachsene, die Akzeptanz, dass Kinder und Erwach-sene nicht gleich, aber gleichwertig sind, und die Erkenntnis, dass die Rechte und die Entwicklung von Kindern des besonderen Schutzes bedürfen.

Die Arbeit der Ärztlichen Beratungsstellen orientiert sich in erster Linie am Kind, an seiner Be-findlichkeit, seinen Bedürfnissen und seinen Entwicklungsnotwendigkeiten/-bedingungen. Gewalt gegen Kinder innerhalb von Systemen, innerhalb einer Gesellschaft wie auch einer Familie, in der ein Kind lebt, schädigt und bedroht die Entwicklung und das Leben von Kindern. Grundsatz der Ärztlichen Beratungsstellen ist daher, Kinder vor jeder Form von Gewalt möglichst effektiv zu schützen im Sinne von Prävention einerseits und aktivem Schutz in Gewaltzusammenhängen andererseits.

Die Kindorientierung der Ärztlichen Beratungsstellen bleibt auch da bestehen, wo andere gesell-schaftliche Interessen, z. B. der Schutz der Gesellschaft vor Straftaten, berührt werden. Die Arbeit der Ärztlichen Beratungsstellen orientiert sich nicht, wie es z. B. Aufgabe der Strafverfol-gungsbehörden und der Polizei ist, an einer Tat oder an möglichen Tätern, sondern in erster Linie an den Interessen und Bedürfnissen der betroffenen Kinder.

Zu den Grundsätzen der Ärztlichen Beratungsstellen gehören der Respekt vor der Familie und das Verständnis, dass Kinder in ihren familialen Beziehungen gesehen und anerkannt werden müssen. Die Bindungen eines Kindes an seine Familie gehören zu seiner Identität und Persönlichkeit und bedürfen ebenso der Berücksichtigung und des Schutzes.

Leitlinie für die Ärztlichen Beratungsstellen ist die Arbeit unter den Bedingungen der ärztlichen Schweigepflicht und des Verschwiegenheitsrechtes, sofern dieses aus Gründen des höheren Rechtsgutes des Kinderschutzes, z. B. bei akuter Gewaltgefährdung von Kindern, nicht in den Hintergrund treten muss. Soweit gesetzlich möglich, orientiert sich auch der Verschwiegenheitsgrundsatz an den Interessen und dem notwendigen Schutz der Kinder.

Die Ärztlichen Beratungsstellen fühlen sich verpflichtet, sich für positive Rahmen- und Lebensbedingungen für Kinder einzusetzen. Dies betrifft konkrete Unterstützung für Kinder und ihre Familien in Zusammenarbeit mit anderen Helfern, betrifft psychotherapeutische und medizinische Hilfe und Behandlung ebenso wie gesellschaftliche und politische Aufklärungs- und Veränderungsarbeit.

Die Arbeitsgemeinschaft als Verbund der Ärztlichen Beratungsstellen verfügt über eine Konzeption für ihre Ziele und Tätigkeiten. Diese ist Grundlage für die Konzeption jeder einzelnen Ärztlichen Beratungsstelle. Sie sind für die Arbeit verbindlich und werden fortlaufend anhand aktueller praktischer Arbeitserkenntnisse wie theoretischer Forschungsergebnisse überprüft und entsprechend angepasst.

Grundsätze als PDF zum Download